Resümee zum dritten CSD in Bautzen
Solidarität und gute Vorbereitung
Beim dritten Christopher Street Day in Bautzen haben Veranstaltende und Unterstützende ein starkes Zeichen für Solidarität, Vielfalt und den Einsatz für Vielfalt und Selbstbestimmung gesetzt. Das engagierte Netzwerk hinter der Veranstaltung hat mit intensiver Vorbereitung dafür gesorgt, dass der Tag nicht nur bunt, sondern auch kraftvoll wurde. Auch im Hinblick auf Sicherheit gab es wesentliche Fortschritte zum Vorjahr. Durch lokale und überregionale solidarische Kooperationen sowie ein erweitertes Sicherheitskonzept der CSD-Orga konnten die Außenwirkung der Veranstaltung und das Wohlbefinden der Teilnehmer*innen gestärkt werden. Dennoch kam es auch am 10.08.25 zu rechtsmotivierten Angriffen [1].
Versuchte politische Einflussnahme im Vorfeld
Bereits im Vorfeld kam es zu politischen Angriffen auf den CSD, unter anderem durch einen offenen Brief, der versuchte, Veranstaltung, Veranstaltende und Teilnehmende zu diffamieren, delegitimieren und zu kriminalisieren [2]. Diese als Sorge getarnte Strategie rechtsextremer Akteure muss klar als politischer Angriff benannt werden. So beschreibt etwa die BEWARE-Studie die politische Intervention als konkrete und bewusste Bedrohungsdimension der extremen Rechten neben personenbezogenen gewalttätigen Angriffen [3].
Politische und mediale Aufmerksamkeit
In Bautzen unterstützen Parteiangehörige der Linken, der Grünen, der SPD oder auch der Partei die Partei ohnehin den CSD. An diesem Tage hat zudem Bautzens Oberbürgermeister Vogt beim CSD gesprochen und Sachsens Innenminister Schuster (beide CDU) war am Rande des Versammlungsgeschehens vertreten. All dies kann als klares Zeichen der Unterstützung des CSD sowie als Ablehnung der rechter Aggression in Wort und Tat wahrgenommen werden. Solche Engagements und Gesten sind enorm wichtig – gerade in einer Region, in der Betroffene rechter Gewalt mitunter das Gefühl haben, allein gelassen zu werden. Die mediale Aufmerksamkeit regionaler und überregionaler Formate ist ebenso hilfreich, denn Sichtbarkeit stärkt die öffentliche Wahrnehmung und Anerkennung des Anliegens des CSD.
Rechtsstaatlicher Druck auf gewaltbereite rechte Strukturen zeigt Wirkung
Ein wichtiger Faktor für das gesteigerte Sicherheitsempfinden war das aktuelle Vorgehen der Justiz: Führende Jung-Neonazis werden zurzeit strafrechtlich verfolgt, was sich wiederum auf gewaltorientierte Netzwerke auswirkt und zu geringer Mobilisierungserfolgen beitragen haben kann. Und damit zu einer spürbar ruhigeren Veranstaltung. Ferner kann ebenso das laufende Verbotsverfahren der vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuften AfD ein weiterer Faktor sein, der hiesige Akteure und Netzwerke zwingt, ihre Aktivitäten zumindest zeitweise einzuschränken.
Blick in die Zukunft: Alltag in Bautzen
So positiv der CSD war – er wirft auch Fragen auf: Wie geht es für Betroffene rechter Gewalt im Alltag weiter? Nach wie vor ist Bautzen eine Hochburg der gewaltsuchenden rechten Szene in Sachsen, was für Angehörige vulnerabler Gruppen eine anhaltende Bedrohung darstellt. Die Aufmerksamkeit und die klare Positionierung seitens politischer Verantwortungsträger der demokratischen Parteien müssen dauerhaft stattfinden. Ebenso sind Sensibilität für und der Schutz von vulnerablen Gruppen durch Polizei, Institutionen und Zivilgesellschaft als stetige Aufgabe mit großem Engagement weiterzuverfolgen. Die Existenz sozialer Initiativen und kultureller Orte mit gesicherter Finanzierung ist dafür eine Grundbedingung.
Notwendige Verbesserungen für die Zukunft beim CSD
Ein Ziel bleibt, die An- und Abreise für Teilnehmende künftig sicherer zu gestalten. Auch hier könnten durch frühzeitige Planung und Kooperation spürbare Fortschritte erreicht werden.
Fazit
Der dritte CSD in Bautzen hat gezeigt, wie wichtig Solidarität, rechtstaatliches Handeln und klare politische Positionierung sind. Die Veranstaltung war ein gemeinsamer Erfolg. Zugleich bleibt es der Auftrag für Politik, Polizei und Zivilgesellschaft, das Engagement für eine offene und sichere Stadt auch im Alltag fortzuführen.
Quellen:
[1] https://www.raa-sachsen.de/support/chronik/vorfaelle/bautzen-9803
[2] https://www.saechsische.de/lokales/bautzen-lk/bautzen/debatte-ueber-csd-am-10-august-2025-in-bautzen-BS655YU255FIHBSORLXWIAFNZI.html
[3] https://www.geistes-und-sozialwissenschaften-bmbf.de/de/News-Bedrohte-Demokratieprojekte-wappnen-und-resilient-machen-3279.html