Unterstützung für Betroffene rechtsmotivierter, rassistischer und antisemitischer Gewalt

Das Projekt „Support“ des RAA Sachsen e.V. unterstützt Betroffene rechtsmotivierter, rassistischer und antisemitischer Gewalt, deren Angehörige und Zeug*innen. Wir unterstützen dabei, Angriffsfolgen zu bewältigen und die eigenen Rechte wahrzunehmen. Wir geben Orientierungshilfen und entwickeln gemeinsam individuelle Lösungen. Unsere Arbeit hilft Betroffenen, das eigene Sicherheitsgefühl zu erhöhen, Selbstwirksamkeit zu erleben, die Kontrolle über das eigene Leben zurückzuerlangen und Solidarisierungsprozesse zu fördern. Wir informieren über die Situation Betroffener, machen auf deren Perspektive in Gesellschaft und Politik aufmerksam und berichten über Ausmaß, Folgen und Wirkungsweisen rechtsmotivierter und rassistischer Gewalt. "Support" arbeitet parteilich, aufsuchend, kostenlos und vertraulich. Wir betreiben Beratungsstellen in Dresden, Görlitz, Chemnitz, Plauen und Leipzig sowie eine Onlineberatung.

Sie sind Betroffene_r oder Zeug_in eines rechten Angriffs?

Beratung erhalten Vorfall melden

Beiträge filtern

Pressemeldung 27. August 2025

Chemnitz: Verfahren zu Neonazi-Angriffen von 2018 endet mit Freisprüchen und einer Einstellung

Chemnitz, 27. August 2025 – Nach 14 Verhandlungstagen am Landgericht Chemnitz steht fest: Im Zusammenhang mit den rechten Ausschreitungen im Sommer 2018 wird es im zweiten Verfahren vor dem Landgericht Chemnitz keine Verurteilung der Angeklagten geben. Drei der im Verfahren Angeklagten wurden freigesprochen. Das Verfahren gegen den bundesweit bekannten Braunschweiger Neonazi Lasse Richei wurde ohne Auflagen eingestellt.

Meldung 26. August 2025

Dritter CSD in Bautzen - ein Resümee

Resümee zum dritten CSD in Bautzen

Solidarität und gute Vorbereitung

Beim dritten Christopher Street Day in Bautzen haben Veranstaltende und Unterstützende ein starkes Zeichen für Solidarität, Vielfalt und den Einsatz für Vielfalt und Selbstbestimmung gesetzt. Das engagierte Netzwerk hinter der Veranstaltung hat mit intensiver Vorbereitung dafür gesorgt, dass der Tag nicht nur bunt, sondern auch kraftvoll wurde. Auch im Hinblick auf Sicherheit gab es wesentliche Fortschritte zum Vorjahr. Durch lokale und überregionale solidarische Kooperationen sowie ein erweitertes Sicherheitskonzept der CSD-Orga konnten die Außenwirkung der Veranstaltung und das Wohlbefinden der Teilnehmer*innen gestärkt werden. Dennoch kam es auch am 10.08.25 zu rechtsmotivierten Angriffen [1].

Versuchte politische Einflussnahme im Vorfeld

Bereits im Vorfeld kam es zu politischen Angriffen auf den CSD, unter anderem durch einen offenen Brief, der versuchte, Veranstaltung, Veranstaltende und Teilnehmende zu diffamieren, delegitimieren und zu kriminalisieren [2]. Diese als Sorge getarnte Strategie rechtsextremer Akteure muss klar als politischer Angriff benannt werden. So beschreibt etwa die BEWARE-Studie die politische Intervention als konkrete und bewusste Bedrohungsdimension der extremen Rechten neben personenbezogenen gewalttätigen Angriffen [3].

Politische und mediale Aufmerksamkeit

In Bautzen unterstützen Parteiangehörige der Linken, der Grünen, der SPD oder auch der Partei die Partei ohnehin den CSD. An diesem Tage hat zudem Bautzens Oberbürgermeister Vogt beim CSD gesprochen und Sachsens Innenminister Schuster (beide CDU) war am Rande des Versammlungsgeschehens vertreten. All dies kann als klares Zeichen der Unterstützung des CSD sowie als Ablehnung der rechter Aggression in Wort und Tat wahrgenommen werden. Solche Engagements und Gesten sind enorm wichtig – gerade in einer Region, in der Betroffene rechter Gewalt mitunter das Gefühl haben, allein gelassen zu werden. Die mediale Aufmerksamkeit regionaler und überregionaler Formate ist ebenso hilfreich, denn Sichtbarkeit stärkt die öffentliche Wahrnehmung und Anerkennung des Anliegens des CSD.

Rechtsstaatlicher Druck auf gewaltbereite rechte Strukturen zeigt Wirkung

Ein wichtiger Faktor für das gesteigerte Sicherheitsempfinden war das aktuelle Vorgehen der Justiz: Führende Jung-Neonazis werden zurzeit strafrechtlich verfolgt, was sich wiederum auf gewaltorientierte Netzwerke auswirkt und zu geringer Mobilisierungserfolgen beitragen haben kann. Und damit zu einer spürbar ruhigeren Veranstaltung. Ferner kann ebenso das laufende Verbotsverfahren der vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuften AfD ein weiterer Faktor sein, der hiesige Akteure und Netzwerke zwingt, ihre Aktivitäten zumindest zeitweise einzuschränken.

Blick in die Zukunft: Alltag in Bautzen

So positiv der CSD war – er wirft auch Fragen auf: Wie geht es für Betroffene rechter Gewalt im Alltag weiter? Nach wie vor ist Bautzen eine Hochburg der gewaltsuchenden rechten Szene in Sachsen, was für Angehörige vulnerabler Gruppen eine anhaltende Bedrohung darstellt. Die Aufmerksamkeit und die klare Positionierung seitens politischer Verantwortungsträger der demokratischen Parteien müssen dauerhaft stattfinden. Ebenso sind Sensibilität für und der Schutz von vulnerablen Gruppen durch Polizei, Institutionen und Zivilgesellschaft als stetige Aufgabe mit großem Engagement weiterzuverfolgen. Die Existenz sozialer Initiativen und kultureller Orte mit gesicherter Finanzierung ist dafür eine Grundbedingung.

Notwendige Verbesserungen für die Zukunft beim CSD

Ein Ziel bleibt, die An- und Abreise für Teilnehmende künftig sicherer zu gestalten. Auch hier könnten durch frühzeitige Planung und Kooperation spürbare Fortschritte erreicht werden.

Fazit

Der dritte CSD in Bautzen hat gezeigt, wie wichtig Solidarität, rechtstaatliches Handeln und klare politische Positionierung sind. Die Veranstaltung war ein gemeinsamer Erfolg. Zugleich bleibt es der Auftrag für Politik, Polizei und Zivilgesellschaft, das Engagement für eine offene und sichere Stadt auch im Alltag fortzuführen.

Quellen:

[1] https://www.raa-sachsen.de/support/chronik/vorfaelle/bautzen-9803

[2] https://www.saechsische.de/lokales/bautzen-lk/bautzen/debatte-ueber-csd-am-10-august-2025-in-bautzen-BS655YU255FIHBSORLXWIAFNZI.html

[3] https://www.geistes-und-sozialwissenschaften-bmbf.de/de/News-Bedrohte-Demokratieprojekte-wappnen-und-resilient-machen-3279.html

Prozessdoku 11. August 2025

Prozesstag 14: Aufarbeitung der rassistischen Ausschreitungen 2018 in Chemnitz

Der 14. Prozesstag am 11.08.2025 begann verspätet anstelle der angesetzten Startzeit von 09:00 Uhr um 09:25, da auf den Angeklagten Lasse Richei gewartet wurde. Als klar wurde, dass dieser, nach eigener Aussage da sein Wecker ausgefallen sei, frühestens mit fünf Stunden Verspätung in Chemnitz erscheinen könnte, wurde entschieden die Verhandlung in Abwesenheit des Angeklagten fortzusetzen.

Prozessdoku 28. Juli 2025

Prozesstag 13: Aufarbeitung der rassistischen Ausschreitungen 2018 in Chemnitz

Der 13. Prozesstag am 28.07.2025 begann mit 50 Minuten Verzögerung durch das verspätete Erscheinen zweier Angeklagter um 09:50 Uhr. Geladen waren ursprünglich drei ehemalige Angeklagte sowie zwei Polizeibeamte und ein unbeteiligter Zeuge. Letztlich erschienen jedoch nur einer der ehemaligen Angeklagten und die beiden Polizeibeamten.

Bildungsangebot 1. Juli 2025

Workshopangebot

Mit unseren Workshops informieren und sensibilisieren wir für rechtsmotivierte und rassistische Gewalt, zu Folgen und Wirkungsweisen, zur Situation (potentiell) Betroffener, zu Handlungsmöglichkeiten (potentiell) Betroffener, Zeug*innen oder auch Fachkräften in der Schul-, Jugend-, oder Flüchtlingssozialarbeit. Die Workshops können auf Ihre Bedarfe und Fragen spezifisch zugeschnitten werden. Fragen Sie uns und wir entwickeln gern gemeinsam ein für sie passendes Angebot.

Bildungsangebot 1. Juli 2025

Ausstellung „Rechte Gewalt in Sachsen“

Was ist rechte Gewalt? Wie häufig sind Menschen davon betroffen? Wie wirkt sich rechte Gewalt auf die Betroffenen aus und welchen Einfluss hat sie auf die Gesellschaft? Was führt zu rechter Gewalt und wer genau ist davon betroffen? Was kann jede_r Einzelne tun?

Prozessdoku 30. Mai 2025

Prozesstag 5 und 6: Aufarbeitung der rassistischen Ausschreitungen 2018 in Chemnitz

Im Verlauf der letzten beiden Verhandlungstage am 27. und 28. Mai 2025 sagten insgesamt zwölf Zeug*innen zum Tatgeschehen an drei Tatorten aus, die Gegenstand des Verfahrens sind. Alle waren am 1. September auf dem Heimweg nach der „Herz statt Hetze“-Demonstration, als sie von Neonazis angegriffen wurden.

Prozessdoku 22. Mai 2025

Prozesstag 3 und 4: Aufarbeitung der rassistischen Ausschreitungen 2018 in Chemnitz

Im Verlauf der letzten beiden Verhandlungstage am 20. und 21. Mai 2025 sagten insgesamt acht Zeug*innen zum Tatgeschehen am ersten von drei Tatorten aus, die Gegenstand des Verfahrens sind. Die Zeug*innen hatten sich am 1. September 2018 im Bereich der Kreuzung Moritzstraße/Annaberger Straße am Rand der Chemnitzer Innenstadt aufgehalten und wurden dort Ziel der Angriffe einer aus Richtung Bahnhofstraße kommenden Gruppe, Teil derer mutmaßlich die vier Angeklagten waren.

Meldung 16. Mai 2025

Empfehlungen für einen nationalen Aktionsplan

Der VBRG e.V. fordert einen Nationalen Aktionsplan gegen rechte, rassistische und antisemitische Gewalt. Nötig sind bessere Opferrechte, gesetzliche Grundlagen für Beratungsstellen, effektive Strafverfolgung und der Schutz demokratischer Strukturen.