Opferberatung SUPPORT veröffentlicht Jahresstatistik zu rechtsmotivierter Gewalt in Sachsen 2025
Die Opferberatungsstellen des RAA Sachsen e.V. verzeichneten im Jahr 2025 292 rechtsmotivierte Angriffe in Sachsen. Trotz des leichten Rückgangs von -11 % im Vergleich zum Vorjahr bleiben die Gewalttaten im Langzeitvergleich der letzten 15 Jahre auf hohem Niveau. Mit 456 waren zehn Menschen mehr direkt von den Gewalttaten betroffen.
Rassismus mit ca. der Hälfte weiterhin das häufigste Tatmotiv, 1/3 Angriffe gegen Nichtrechte und gegen politische Gegner*innen.
Zunahme von Bedrohungen und Nötigungen, Körperverletzungsdelikte bleiben mit über der Hälfte am häufigsten
Stabile Schwerpunktregionen in den Großstädten und dem Landkreis Bautzen
weiterhin verstärktes Auftreten neonazistischer Organisationen und Zuwachs an jungen, gewaltbereiten Neonazis – Normalisierung und Radikalisierung
Umgang mit rechter Raumnahme hat großen Einfluss auf Gewaltentwicklung
Seit über drei Jahren ist in verschiedenen Orten und Regionen Sachsens die Entwicklung einer rechten Raumnahme zu beobachten. Neonazistische Strukturen zeigen sich als Kleinstparteien oder Jugend-Kameradschaften mit wechselnden Bezeichnungen. Auch im Jahr 2025 setzte sich die immer wieder mit Gewalt einhergehende Präsenz junger Neonazis im öffentlichen Raum fort. Dazu erklärt Andrea Hübler: „Die Opferberatungsstellen warnen vor allem vor der erfolgreichen Gewinnung z.T. sehr junger Anhänger*innen und der hohen Gewaltbereitschaft, die wir bei diesen Gruppen sehen. Sichtbar wird aber auch: Die verschiedenen lokalen Umgangsweisen damit haben einen großen Einfluss auf Erfolg und Misserfolg dieser Strategie.“
In den Großstädten Leipzig, Dresden und Chemnitz werden seit Jahren die meisten der gezählten Angriffe registriert. In diesem Jahr reichen die Zahlen im Landkreis Bautzen erstmals an dieses Niveau heran. Andrea Hübler präzisiert: „In Chemnitz fanden die meisten Angriffe Anfang der Jahres statt. Nachdem Polizei, Zivilgesellschaft und Stadt darauf mit verschiedensten Maßnahmen reagierten, konnte diese Entwicklung aufgehalten werden. In Bautzen erleben Engagierte gegen die rechte Vereinnahmung der Region eher noch Anfeindungen aus dem Kreistag. Die Präsenz junger Neonazis, die immer wieder mit Bedrohungen, Einschüchterungen und Gewalt einher geht, wird zu oft bagatellisiert.“
155 der Angriffe waren Körperverletzungsdelikte und 119 Nötigungen/Bedrohungen. Auch hat sich die Zahl der Angriffe im Öffentlichen Raum mit 132 seit zwei Jahren mehr als verdoppelt. Dazu ordnet Andrea Hübler ein: „Wir sehen darin Anzeichen für die Herausbildung rechter Dominanzräume in einigen Regionen. Aus Forschung und Erfahrung wissen wir, dass diese im Zuge der Raumnahme mit Gewalt durchgesetzt werden, bis dann die bloße Androhung der Gewalt ausreicht um Menschen, die nicht ins Weltbild passen oder der extrem rechten Ideologie nicht unwidersprochen folgen, daran zu hindern, sich frei und sicher im öffentlichen Raum zu bewegen oder zu äußern.“
143 der Angriffe wurden 2025 aufgrund von Rassismus verübt. 53 Angriffe richteten sich gegen politische Gegner*innen, 45 gegen Nichtrechte, 16 gegen Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität. Vier Vorfälle waren antisemitisch motivierte Gewalttaten. Ein Angriff war sozialdarwinistisch motiviert, in 30 Fällen blieb das konkrete Tatmotiv unklar.
Wieder waren also fast die Hälfte aller Angriffe rassistisch motiviert. Andrea Hübler merkt dazu an: „Die weit verbreiteten und seit nunmehr über zehn Jahren zunehmend verfestigten rassistischen Einstellungen in der sächsischen Gesellschaft zeigen sich nicht nur in einem entsprechenden Wahlverhalten, sondern führen leider immer wieder auch zu rassistisch motivierten Angriffen in der Öffentlichkeit, im ÖPNV oder im Wohnumfeld.“
Abschließend erklärt Andrea Hübler: „Rassismus und andere Ideologien der Ungleichwertigkeit werden mehr und mehr normalisiert und wirken sich in hohem Maße direkt auf Betroffene aus. Um dieser gefährlichen Entwicklung die Werte einer offenen Gesellschaft entgegenzusetzen, braucht es unbedingt weiterhin eine aktive demokratische Zivilgesellschaft, die bildet, berät, vor Ort engagiert ist, sich zusammentut und mit Engagement, Kreativität und Emphatie gegenhält. Diese Arbeit verdient weiterhin Unterstützung und Rückendeckung.“
Die Fachberatungsstelle Support für Betroffene rechter Gewalt des RAA Sachsen e.V. unterstützt in Sachsen seit 2005 Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt bei der Bewältigung der Tatfolgen und dokumentiert darüber hinaus diese Angriffe. Im Jahr 2025 haben wir sachsenweit in 318 Beratungsfällen beratend und unterstützend zur Seite gestanden.
Die Zusammenfassung der Statistik und die Grafiken sind unter Nennung des Urhebers frei verwendbar und abrufbar unter: www.raa-sachsen.de/statistik