18 Sep
Veranstaltung am 18. September 2021 um 11:30 Uhr

30 Jahre Herbst 1991: Critical Walk in Hoyerswerda.

Anlässlich des 30ten Jahrestages der rassistischen Ausschreitungen gegen ehemalige Vertragsarbeiter*innen und Asylsuchende in Hoyerswerda veranstalten wir am 18. September 2021 einen Critical Walk, um die Erinnerung an die Geschehnisse im öffentlichen Stadtbild präsent zu machen. Der Stadtrundgang startet um 11.30Uhr am Bahnhofsvorplatz (Altstadt) und endet am Lausitzer Platz. Die Veranstaltung findet im Rahmen des Gedenkwochenendes "Erinnerungen.Einsichten.Perspektiven" in Hoyerswerda statt.

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30 Jahre Herbst 1991: Verantwortung übernehmen – Kontinuitäten aufzeigen!

Critical Walk in Hoyerswerda am Samstag, 18.09.2021, Start: 11.30Uhr am Bahnhofvorplatz.

Vom 17. bis zum 23. September 1991 griffen im ostsächsischen Hoyerswerda Neonazis gemeinsam mit Anwohner*innen zwei Wohnheime von Vertragsarbeiter*innen und Asylsuchenden an. Bis zu 500 Menschen beteiligten sich an den pogromartigen Ausschreitungen, in deren Verlauf nahezu alle Betroffenen aus der Stadt gebracht wurden, weil die Polizei ihren weiteren Schutz nicht gewährleisten konnte. In Bussen wurden die angegriffenen Asylsuchenden unter dem Beifall von bis zu 1.000 Schaulustigen und teils gegen ihren Willen auf Wohnunterkünfte in anderen sächsischen Orten verteilt – viele der angegriffenen Vertragsarbeiter*innen wurden direkt nach Mosambik ausgewiesen.

Einige der betroffenen Asylsuchenden gelangten schließlich über Umwege nach Berlin und kämpften dort mit Unterstützung von Aktivist*innen um ihr Bleiberecht in Deutschland. Viele der ehemaligen Vertragsarbeiter*innen, die zum Teil jahrelang in der Region gelebt und gearbeitet hatten und nach dem Ende der DDR nach Mosambik zurückkehren mussten, ringen bis heute um nicht erhaltene Lohnanteile, Abfindungen und Rentenansprüche.

Die Bilder der Ausschreitungen vom Herbst 1991 stehen bis heute symbolisch für die bundesweite rassistische Angriffswelle im Zuge der deutschen Wiedervereinigung. Es folgten die tagelangen Angriffe in Rostock-Lichtenhagen im August 1992, die tödlichen Brandanschläge in Mölln (23.11.1992) und Solingen (29.05.1993) sowie zahlreiche weitere Mordtaten.

In den darauffolgenden Jahren galt Hoyerswerda als „ausländerfrei“. Eine rechtsradikale Jugendkultur bestimmte das gesellschaftliche Klima in der Stadt, Neonaziangriffe waren Alltag. In der Nacht vom 19. Auf den 20. Februar 1993 wurde der 23-jährige Mike Zerna bei einem Überfall von Neonazis auf einen Jugendclub umgebracht. Allein im Umkreis von 50 Kilometern verloren im Zeitraum von 1991 bis 2000 mindestens fünf weitere Menschen durch rechte Gewalttaten ihr Leben: Timo Kählke (12.12.1991 / Meuro), Waltraud Scheffler (24.10.1992, Geierswalde), Mathias Scheydt (23.09.1997 / Cottbus), Georg Jürgen Uhl (27.09.1997 / Cottbus), Bernd Schmidt (29. Januar 2000 / Weißwasser).

Anlässlich des 30ten Jahrestages der rassistischen Ausschreitungen gegen die ehemaligen Vertragsarbeiter*innen und Asylsuchenden in Hoyerswerda möchten wir die Erinnerung an die Geschehnisse im öffentlichen Stadtbild präsent machen.

Im Rahmen eines kritischen Stadtrundgangs werden wir Orte in Hoyerswerda besuchen, die mit den damaligen Ereignissen und dem lokalen Gedenken in Zusammenhang stehen. An den einzelnen Stationen soll eine Auseinandersetzung mit den Ursachen, dem Ablauf und den Folgen des Pogroms aus unterschiedlichen Perspektiven in Form von Redebeiträgen stattfinden. Im Zentrum stehen dabei Versuche und Möglichkeiten eines solidarischen und kritischen Erinnerns und die Thematisierung einer Kontinuität rechter und rassistischer Gewalt, die von Hoyerswerda über Rostock-Lichtenhagen bis in die Gegenwart reicht.

Der Rundgang startet um 11:30 Uhr am Bahnhofsvorplatz in der Altstadt und endet am Lausitzer Platz. Dort besteht die Möglichkeit die Ausstellung „Wir waren Kollegen“ über mosambikanische Vertragsarbeiter*innen in der Region im Lausitz-Center zu besuchen und an der sich anschließenden Gedenkveranstaltung in der Lausitzhalle teilzunehmen.

Anreisemöglichkeiten mit dem Zug:

Ab Bahnhof Dresden-Neustadt um 9:57 Uhr (Gleis 5 / RE 15 (18284))

Ab Leipzig Hauptbahnhof um 9:12 (Gleis 9 / RE 10 (18385) über Falkenberg und Ruhland)

Weitere Infos und das vollständige Programm zum Gedenkwochenende „Erinnerungen – Einsichten – Perspektiven“, welches vom 17.-19. September 2021 in Hoyerswerda stattfindet unter: https://zivilcourage-hoy.de/hoyerswerda-1991-gedenkwochenende/

Hintergrundinformationen über die rassistischen Angriffe vom September 1991 in Hoyerswerda unter: https://www.hoyerswerda-1991.de

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