Engagierte erinnern an Todesopfer André K. in Oschatz
Am 27.05.2026 jährte sich der rechte Angriff auf André K. In Oschatz zum 15. mal. Mehr als ein dutzend Menschen kamen zu einer Gedenkkundgebung am Tatort Südbahnhof.
Das Oschatzer Bündnis für Demokratie, Menschlichkeit und Toleranz, das Soziokulturelle Zentrum E-Werk, die Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde Oschatzer Land und SUPPORT Leipzig/ RAA Sachsen e.V. hatten zum Gedenken eingeladen. Vertreter*innen dieser Organisationen, der Stadt Oschatz sowie einige Privatpersonen waren gekommen, legten Blumen ab und stellten Kerzen auf. Pfarrer Christof Jochem hielt eine Ansprache, in der er seine Erschütterung darüber zeigte, dass eine solche Tat in Oschatz möglich gewesen ist.
In der Nacht vom 27. auf den 28. Mai 2011, wurde André K., der sich am Südbahnhof zum Schlafen niedergelegt hatte, von fünf jungen Männern angegriffen und brutal zusammengeschlagen. Der schwer verletzte Mann wurde erst am nächsten Morgen aufgefunden und ins Krankenhaus gebracht. Dort verstarb er am 1. Juni 2011 im Alter von 50 Jahren an den Folgen des Angriffs. Die rechtsideologischen Hintergründe der Tat fanden damals im Strafprozess keine Anerkennung. André K. wird bis heute, 15 Jahre später, nicht offiziell als Todesopfer rechter Gewalt gelistet.
Zum Hintergrund
André K. war Vater von zwei Kindern und lebte zeitweilig in Berlin. Seine Angehörigen kämpften darum, die rechtsideologischen Hintergründe seines Todes aufzuklären. Auch eine würdige Bestattung lag ihnen am Herzen. Da die Familie des Verstorbenen durch die Polizei nicht ermittelt und aufgesucht wurde, beerdigten die Zuständigen der Behörden André K. in einem namenlosen Urnensozialgrab. Erst im Nachhinein wurde das Grab von engagierten Privatpersonen aus Oschatz ausfindig gemacht und mithilfe von Spenden eine Umbettung ermöglicht. Das Oschatzer Bündnis für Demokratie, Toleranz und Menschlichkeit ließ außerdem eine Gedenkplakette anbringen, die am Oschatzer Südbahnhof an André K. erinnert und mahnt.
Ein wesentliches Merkmal rechter Gewalt ist die Annahme einer Ungleichwertigkeit der Menschen. Insbesondere die Abwertung von wohnungslosen Menschen ist ein zentrales Element rechter Ideologien. Dieser steht in direkter Tradition des Nationalsozialismus, in dem Menschen, die vermeintlich keinen Beitrag zur Gesellschaft leisteten, systematisch verfolgt und ermordet wurden. Der RAA Sachsen e.V. zählt 18 Todesopfer rechter Gewalt in Sachsen seit 1990. Allein fünf von ihnen wurden aus einem so genannten sozialdarwinistischen Motiv heraus getötet, dass vor allem die Abwertung wohnungsloser und behinderter Personen meint.