12.11.2015 / 20Uhr / Leipzig Gedenkveranstaltung für die Opfer des NSU

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Klagelieder aus Blumen für Otello. Über die Verbrechen von Jena

Textperformance mit Esther Dischereit und Dj Ipek Ipekçioğlu

Die Aufdeckung der perfiden NSU-Mordserie ließ die meisten von uns erschüttert zuück. Jedoch reicht weder eine politische, juristische noch intellektuelle Auseinandersetzung bei solchen Geschehnissen aus. Hier geht es um Liebe und es geht um den Tod, um Trauer - um Familiendramen- da muss man doch weinen! Die Klagelieder von Esther Dischereit lassen uns an den Schicksalen der Opferfamilien teilhaben und berühren unsere Herzen. Durch sie kann man endlich eine Beziehung zu den Opfern fühlen und sie als Menschen spühren.

Einfühlsam und mit großer poetischer Kraft ermittelt die Autorin in ihrem Buch "Blumen für Otello. Über die Verbrechen von Jena", was die abscheulichen Taten des NSU bei den Hinterbliebenen angerichtet, welche Lücken sie in den Familien hinterlassen haben. Sie wählt für diese poetische Trauerarbeit die Form des Klagelieds und des Opernlibrettos und fügt Dokumentartexte dazu. Sie stellt dabei auch Fragen nach rassistischen Vorurteilen und sozialer Voreingenommenheit des Aufklärungsapparats, der die Täter unter den Opfern suchte. Esther Dichterin selbst wird die Klagelieder lesen, Ipek Ipekçioğlu begleitet sie dazu musikalisch und wird die Klagelieder dazu in türkischer Sprache vortragen. Diese Textperformance wird im Kirchenraum der neuen Propsteikirche einen würdigen Rahmen finden. Es wird eine ergreifende Stimmung entstehen, die die Herzen der Zuhörer bewegen und zu Trännen rühren wird.

Esther Dischereit setzt sich in ihrer Prosa, in ihren Gedichten, Theaterstücken und Essays mit dem deutsch-jüdischem Leben nach 1945 auseinander. Seit 2011 ist sie Professorin am Institut für Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Seit 2012 verfolgte Esther Dischereit die Aufklärung der Morde des Nationalsozialistischen Untergrunds NSU an türkischstämmigen und griechischen Kleinunternehmern, sie nahm als Zuhörerin an den Sitzungen des NSU-Untersuchungsausschusses des Deutschen Bundestages teil.

Ipek Ipekçioğlu geboren als Tochter türkischer Immigranten in Bayern, ist eine typische Alamanci, Deutschländerin, die in Berlin lebt. Die international renommierte Producerin und DJ ist mit ihrem Eklektik BerlinIstan, ein Mix aus elektronischer- und Dancemusik der Türkei und dem Balkan, auf Festivals und in Clubs unterwegs. Die Süddeutsche Zeitung nannte sie eine musikalische wie politische Visionärin, deren elektizistische Entdeckungsreise unmittelbar in ein Land der krassen gesellschaftlichen Umbrüche [führt], weit jenseits der Klischees.

12.11.2015 / 20 Uhr / Probsteikirche Leipzig (Nonnenmühlgasse 2)

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