Pressemitteilung zur Angriffsstatistik 2017

veröffentlicht am

229 rechtsmotivierte und rassistische Angriffe mit mindestens 346 Betroffenen im Jahr 2017. Angriffe in Sachsen sanken im Jahr 2017 wieder auf das Niveau von vor 2015.

„Im Zuge der rassistischen Mobilisierung gegen Geflüchtete hatten sich die Angriffe 2015 (477) und 2016 (437) im Vergleich zu den Vorjahren nahezu verdoppelt. Nun reduzierten sich diese wieder auf das Niveau der Jahre 2013 und 2014. Ohne regelmäßige Mobilisierung gegen Geflüchtete wie noch vor zwei Jahre ist die Stimmung weniger zugespitzt und es fehlen Gelegenheiten für Angriffe“, begründet Robert Kusche den Rückgang.

Insbesondere in den Schwerpunktregionen der letzten zwei Jahre, Dresden (-54%), Sächsische Schweiz-Osterzgebirge (-78%) und Landkreis Bautzen (-67 %) machte sich das bemerkbar. Dennoch bleibt der Landkreis Bautzen mit 17 Angriffen weiterhin einer der sächsischen Schwerpunkte. Der Landkreis Leipzig sticht trotz Halbierung der Angriffszahlen mit 22 Angriffen ebenfalls weiterhin im sächsischen Vergleich hervor.

„Die wiederholten Angriffe auf Geflüchtete und deren Wohnungen in Wurzen und auch die erneuten Auseinandersetzungen im Juli in Bautzen zeigen deutlich, dass eine nach wie vor rassistisch geprägte Grundstimmung jederzeit zu Zuspitzungen und Eskalationen führen kann. Eine nicht unerhebliche Rolle spielen dabei auch aktive Neonazistrukturen in einigen Regionen Sachsens. Deshalb müssen wir uns dringend der so notwendigen gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit Alltagsrassismus, Diskriminierung, rechter Gewalt und rechten Strukturen stellen“, mahnt Robert Kusche.

Schwerpunkte der Gewalt sind wie im Jahr zuvor die Städte Dresden (52), Leipzig (36) und Chemnitz (20) sowie die Landkreise Leipzig (22) und Erzgebirge (18), Bautzen (17) und Zwickau (16).

Der Großteil der Angriffe war rassistisch motiviert (162), 32 Angriffe richteten sich gegen politische Gegner*innen, darunter 2 Angriffe auf Journalist*innen, und 21 gegen Nichtrechte oder Alternative. 3 Attacken waren antisemitisch motiviert.

Am häufigsten handelte es sich bei den Angriffen um Körperverletzungen (167), darunter 76 einfache und 91 gefährliche Körperverletzungen. 9 Brandstiftungen wurden in Sachsen verübt, 4 davon auf Asylunterkünfte.

Insgesamt gingen die Angriffe auf oder im Umfeld von Asylunterkünften deutlich zurück von 53 auf 13. Allein 7 dieser Angriffe wurden im Landkreis Leipzig verübt, darunter ein Brandanschlag auf eine Wohnung in Wurzen.

Die Opferberatung des RAA Sachsen e.V. unterstützt in Sachsen seit 2005 Betroffene rechtsmotivierter und rassistischer Gewalt bei der Bewältigung der Tatfolgen und dokumentiert darüber hinaus diese Angriffe. Im Jahr 2017 konnten wir sachsenweit in 258 Beratungsfällen beratend und unterstützend zur Seite stehen.

Die Zusammenfassung der Statistik ist unter Nennung des Urhebers frei verwendbar und hier abrufbar.

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