Die folgende Chronik informiert über rechtsmotivierte und rassistische Aktivitäten in Sachsen. Genannt werden nicht nur Übergriffe, sondern auch Propagandadelikte und Veranstaltungen wie Demonstrationen und Konzerte. Die Auflistung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Da sich Betroffene oft aus Angst vor weiteren Einschüchterungen weder an die Polizei noch an die Beratungsstellen wenden, gehen wir von einer hohen Dunkelziffer aus. Nicht gelistet werden Übergriffe, von denen wir zwar Kenntnis erlangt haben, die aber aus Gründen der Vertraulichkeit nicht veröffentlicht werden.  Die Vorfälle können nach Landkreisen gefiltert betrachtet werden.

3440 Einträge in der gesamten Chronik

: Wurzen (LK Leipzig)

Antisemitische Schmierereien in Wurzen

Zum wiederholten Mal wurden im Gedenken an die Wurzener Opfer des Holocaust verlegte Stolpersteine geschändet. Unbekannte hatten mutmaßlich in der Nacht zum Freitag (04.05.2018) die vier Steine zur Erinnerung an die Familie Seligmann in der Domgasse mit blauer und silberner Farbe überbesprüht. Bereits am 9. November 2017 wurden diese kurz nach einer Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht beschädigt.

Ebenfalls wurden der Schaukasten des Kultur- und Bürger_innenzentrums D5 beschmiert ("Verpisst euch"), ein Wohnhaus im Crostigall, in welchem u.a. Geflüchtete leben ("Wir kriegen dich") und die Schultreppen zum Domplatz ("Juden Schlachten" (2 x), "Zecken Schlachten", "White Power", "Good Night Left Side!").

Auf dem Parkplatz in der Schuhgasse wurden Parolen gesprüht ("Zecken Schlachten!", "Ausländer raus!"). In der gleichen Nacht wurde ein JN-Flugblatt in den Briefkasten des NDK geworfen ("Das System bringt uns den Volkstod") und Aufkleber der neonazistischen Kleinstpartei "Der dritte Weg" auf den Domplatz geworfen ("Asylflut stoppen!", "Kriminelle Ausländer raus!", "'Neue Deutsche?' Schaffen wir selber.").

"Ob die Taten in einem Zusammenhang stehen, muss nun die Polizei ermitteln.", sagt Ingo Stange, Mitarbeiter im NDK. "Farben und der Tatzeitraum lassen allerdings aus unserer Sicht diesen Schluss zu."

Quelle: NDK Wurzen

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: Dresden Pirnaische Vorstadt (Stadt Dresden)

Tumult bei Prozess um Volksverhetzung

Wegen seiner Rede bei der Demonstration des Holocaustleugners Gerhard Ittner am 11. Februar 2017 musste sich am 4. Mai Alfred Schaefer vor dem Amtsgericht in Dresden wegen des Vorwurfs der Volksverhetzung verantworten. Schon Tage vor dem Prozess wurde über das Internet zur Unterstützung Schaefers aufgerufen; ungefähr 30 Symphatisant_innen folgten dem Aufruf. Während der Verhandlung kam es mehrfach zu Zwischenrufen aus dem Unterstützer_innenkreis. Ein Mann wurde nach mehrfachen Ermahnungen durch das Gericht des Saals verwiesen und kassierte ein Ordnungsgeld in Höhe von 900€. Schaefer selbst wurde vom Gericht für schuldig befunden und zu einer Geldstrafe von 5000€ verurteilt.

Quelle: Presse 

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: Leipzig-Probstheida (Stadt Leipzig)

Lokomotive Leipzigs B-Jugend zeigt Hitlergruß - wohl gedrängt vom Co-Trainer der Mannschaft 

In der vergangenen Woche posierten fast alle Spieler der Jugendmannschaft für ein Bild mit dem Hitlergruß, verschickt wurde das Foto dann anscheinend per WhatsApp-Chat. Laut mehrerer Zeitungsberichte hatte der inzwischen ehemalige Co-Trainer Daniel H. (38) die Idee dazu. Er wurde umgehend entlassen. Laut Verein wurde Strafanzeige erstattet und ein Hausverbot gegen ihn ausgesprochen. Der Verein äußerte auch umgehend den Willen, den Vorfall vollumfassend aufklären zu wollen, nur die eigenen Anhänger schienen davon teilweise gar nicht begeistert und relativierten den Vorfall oder zweifelten daran, dass er überhaupt stattgefunden habe. 

Bereits seit Jahren machen die Fans des 1. FC Lokomotive immer wieder durch rassistische, faschistische und antisemitische Vorfälle und Gewalttaten auf sich aufmerksam. Zahlreiche Mitglieder der Fanszene waren zudem am Angriff auf den linksgeprägten Stadtteil Connewitz im Januar 2016 beteiligt.

Quelle: Presse

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: Zittau (LK Görlitz)

Rechtes Transparent angebracht

Am Morgen des 1. Mai befestigte die Gruppe "Zittau mit Zukunft" ein Transparent mit der Aufschrift "Merkelland = Messerland" an einem nicht mehr benutzten Schornstein auf der Oybiner Straße.

Quelle: Polizei

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: Dresden Friedrichstadt (Stadt Dresden)

Person of Colour vor Spätshop misshandelt

Am Sonntagnachmittag misshandelte eine Gruppe von mindestens vier Personen, darunter auch zwei Kinder, eine Person of Colour vor einem Spätshop auf der Wachsbleichstraße Ecke Adlergasse. Die Gruppe bezichtigte den Mann ein Bier und ein Handy gestohlen zu haben und stieß ihn darauf hin gegen einen Stromkasten, an dem er körperlich fixiert wurde. Sobald es zum Versuch der Gegenwehr kam, wurde sein Kopf erneut gegen den Stromkasten sowie die Wand geschlagen; der Betroffene zog sich dabei mehrere Schürfwunden an Kopf und Körper zu. Als ein Passant in die Situation eingriff, konnte der Misshandelte fliehen, wobei sein Arm unnatürlich zur Seite weg stand. Der Versuch einiger Gruppenmitglieder, den Mann erneut zu stellen, scheiterte.

Quelle: Meldeformular

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